Mai 2022

Das Gemüse und der Salat im AV Kindergarten wächst Dank ausreichender Bewässerung aus den Regenwasserspeichern gut und trägt zur täglichen Vitaminversorgung der Kinder bei. Die Mitarbeiter haben unter anderem Karotten, Tomaten, Zwiebeln und Salat angepflanzt.

Außderdem konnte der Projektleiter Hagos Gebremariam in diesen Tagen eine Hilfslieferung von insgesamt 700 kg Lebensmitteln (Reis, Bohnen und Öl) von der Regierung in Mekelle in Empfang nehmen. Damit ist die Versorgung der Kindergartenkinder vorerst gesichert.

Außer diesen positiven Neuigkeiten ist die Lage in Tigray und damit auch in Adigrat unverändert angespannt. Unser Team in München versucht auf verschiedensten Wegen immer wieder Geld nach Adigrat zu transferieren - mehr oder weniger erfolgreich.


Aktuelles aus Adigrat im Februar 2022

Die vollkommene Isolation Tigrays vom Rest Äthiopiens und der Welt hält weiter an. Es gibt weiterhin keine Telefonverbindungen und nur sporadischen Internetzugang über die Büros der internationalen Hilfsorganisationen in Mekelle, der Regionalhauptstadt. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten wird immer schlechter. Grösstenteils werden internationale Hilfstransporte von der äthiopischen Zentralregierung blockiert. Die Preise für Lebensmittel steigen ins Unermessliche, da die Inflation durch den geschlossenen Handelskreislauf in Tigray extrem steigt. Auch die Banken sind weiterhin geschlossen. Viele Städte werden immer wieder mit Drohnen bombadiert, Adigrat wurde bisher verschont.

Über die TDA Tigray Development Association, eine Organisation der tigrayischen Diaspora konnte der Verein Geld in kleinen Beträgen nach Mekelle schicken, das dort an den Projektleiter ausgezahlt wurde. So können die Gehälter der Mitarbeiter, die alle wieder voll arbeiten, sowie die Mahlzeiten für die 120 Kindergartenkinder bezahlt werden. Natürlich sind die Mahlzeiten mehr als karg, aber ein Stück Brot ist im Moment schon der Himmel auf Erden. Viele Menschen sterben auch in Adigrat an Hunger oder am Mangel von lebenswichtigen Medikamenten wie z.B.Insulin. Besonders gefährdet sind wie immer die Alten und die Kinder.

In dieser wirklich extrem schwierigen Situation leisten die Mitarbeiter von Adigrat Vision schier Unmögliches:

Der Kindergarten scheint - voll besetzt mit 120 Kindern -  ein Stück Normalität für die Kinder und deren Familien zu schaffen.

In der Schülerbücherei wird so eifrig gelernt und studiert, dass slots von drei Stunden ausgegeben werden, damit jeder Lernwillige zum Zuge kommt. An den Sonntagen werden die Räumlichkeiten genutzt, um Gesprächsrunden mit vergewaltigten, traumatisierten Frauen zu veranstalten. An die 900 Frauen und Mädchen sind als Kriegsvergewaltigungsopfer in Adigrat registriert. In Kleingruppen können sich die Frauen im geschützten Raum der Bücherei austauschen.

Das Adigrat Vision Team in München ist stolz und dankbar über die unglaublich engagierten Mitarbeiter in Adigrat. Mit Fleiss, Eifer, Teamgeist und Kreativität gelingt es ihnen unter der Leitung von Hagos Gebremariam, ein Stück Hoffnung in der sonst so aussichtslosen Situation zu schaffen.